Der
Bildungsstreik 2009 zeigte in bemerkenswerter Weise, wie über
eine dezentrale Organisationsform und weitgehende Autonomie der
einzelnen lokalen Vorbereitungsgruppen effektiv demokratische
Ausdrucksformen genutzt werden können, um auf breiter
gesellschaftlicher Basis Protest zu formulieren. Hinsichtlich der Frage
der Effizienz dieser Protestformen zog das
Organisationsbündnis „Bundesweiter
Bildungsstreik“ nach den Aktionen von 2009 eine eher
nüchterne Bilanz.
„Trotz großer Aufmerksamkeit und kleiner Zugeständnisse hat sich nichts geändert – im Gegenteil“, lautet das frustrierte Fazit auf der Homepage des Bündnisses. In 2010 fanden weitere Aktionen statt, an denen sich wiederum bundesweit mehr als 100 000 Menschen beteiligten. Ob hier eine neue soziale Bewegung im Entstehen begriffen ist oder das Engagement der Beteiligten angesichts der relativen Wirkungslosigkeit ihrer Aktionen, der stagnierenden Diskussion und des allmählichen Erlahmens des öffentlichen Interesses zunehmender Ernüchterung gewichen ist, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht einschätzen. Sicher ist nur, dass bislang kein einziges der Probleme, die durch die Aktionen des Bündnisses einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden sind, nachhaltig gelöst oder auch nur konstruktiv angegangen wurde, ein Umstand, der ein Fortbestehen des Bündnisses und die Durchführung weiterer Aktionen als wahrscheinlich erscheinen lässt.
So existieren in vielen Universitäten
nach wie vor Streikbüros, und an Schulen und
Universitäten wird gleichermaßen weiter
über die Zukunft des Bildungssystems diskutiert. Die
Forderungen des Bündnisses bestehen fort, Personen und
Infrastruktur sind vorhanden, und es erscheint
demgemäß nicht allzu unrealistisch, zu erwarten,
dass in 2011 weitere Aktionen und Demonstrationen stattfinden werden.